Franz Szabo
Juni 2004
Johann Joseph Fux, am Wiener Kaiserhof 42 Jahre als Hofkapellmeister von Kaiser Leopold I., Josef I. und Karl VI. tätig, schrieb die Barockoper "Dafne in lauro" für die Feier des 29. Geburtstags von Karl VI., der sie im Rahmen der kaiserlichen Familie wahrscheinlich vor dem Abendessen hörte.
Damals aber sicher nicht mit Dafne in blitzblauen Boxhandschuhen auf Diana einschlagend - diese im gestrengen grauen Gouvernantenlook - und mit Apoll in roten Bermudashorts und Hawaihemd selbstgefällig seine Männlichkeit zelebrierend. Oder vier Kriegerinnen, die mit grünen Schaumstoffstangen drohen, und der Götterbote Mercurio, der einen Abend lang sonnenbebrillt Koffer schleppt. Eine derartige Inszenierung könnte das frühzeitige Ende für jeden Operngenuss bedeuten, wenn da nicht der Rest, das Gesamtkonzept, mit minutiöser Perfektion gestaltet würde: Bühnenbild und Lichtregie teilen den Spielraum in eine kristallin kantige, kühlblaue Zone von gefühlsverweigernder Rationalität für die jungfräuliche Mondgöttin Diana und die unter ihrer Fuchtel leidende Nymphe. Sowie in eine organisch weiche, rote Zone für die liebestollen Intrigen des blondgelockten Amors, der eine Sie ist, und für den heißblütigen Sonnengott Apoll, dessen Sinne unerfüllt für Dafne lodern. Diese wird in jungfräulichem Weiß von der Entscheidung zerrissen und schließlich von den Tugendgeboten der anderen zum grünen Lorbeer zerquetscht, wie eine saftige junge Blüte zum Trockengewürz.
Auf dem langen musikalischen Weg bis zum traurigen Ende brilliert die kleine Sängerschar mit großen Stimmen, präziser Darstellungsfreude und solider Technik. Isabel Marxgut rührt das Herz als Nymphe auf der Schwelle von der Kindheit zum fraulichen Erblühen, die als Marionette der Erwachsenen keine Chance zur Selbstverwirklichung erhält. Edith Völks kraftvoller Mezzosopran personifiziert die steife, sittenstrenge Diana und Hermine Haselböck lässt ihre schöne Mezzostimme lustvoll Amors erotische Eskapaden umranken. Der Tenor Gernot Heinrich verwirklicht auch stimmlich das dauernde Hin- und Herflitzen des Mercurio, während der blendende Countertenor Florian Meixner die lyrischen Liebeswehen Apolls zu herzerweichenden Kantilenen des Cellos webt.
Beim Orchester beeindruckte vor allem die rechte Seite mit den seelentiefen Klängen von Gambe, Violoncello und Fagott. Den Geigen würde man prägnanteren (teureren) Klang wünschen. Die Homogenität von langjährigen Profis erreichen die jungen Musiker zwar noch nicht, sind aber am besten Weg dorthin, wenn sie ihre Zusammenarbeit weiter so konsequent pflegen. Markus Hufnagel als musikalischer Leiter und Siegrid Tschidl als phantasievoll präzise Regisseurin bescherten dem Publikum im Kolomanisaal des Stiftes Melk einen in jeder Beziehung vergnüglichen Opernabend, der sich einen ausverkauften Saal verdient hätte.
Das nächste Konzert der capella incognita aus der Reihe Barockmusik aus Österreich findet am 25. September in Herzogenburg mit Instrumentalmusik Georg Muffats statt. Liebhaber sollten es auf keinen Fall versäumen, sondern das hochkarätige junge Ensemble auf seinem spannenden Weg begleiten. Welches Orchester wird schon von einem derartigen Universalkünstler dirigiert, der neben dem Malen der Bühnenbilder und dem Lichtdesign noch Zeit für das Korrepitieren findet? (Es bleibt nur noch zu wünschen übrig, dass der Text des Programmhefts in Zukunft von den Flüchtigkeitsfehlern befreit wird.)
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