Styriarte 2006 Teil 2

Franz Szabo

Juli 2006


»Jakobsweg«, J. Savall, La Capella Reial de Catalunya, Hespérion XXI, Wallfahrtskirche Weizberg, 22. 7. 2006, 20.30 Uhr

Jordi Savall hat bereits zur Styriarte 2002 in der romanischen Stiftskirche von Seckau die Cantigas de Santa Maria in großer Intrumental- und Sängerbesetzung wiedererweckt. Interpretiert wäre vielleicht schon zuviel gesagt, denn die Originale aus der Zeit Alfonso des Weisen (1221-1284) bestehen aus einer einzigen Melodielinie ohne jegliche Information, wie die Musik zu spielen sei. Allerdings zeigen die Manuskripte einzigartige Abbildungen christlicher, jüdischer und arabischer Musiker mit vielen unterschiedlichen Instrumenten. Die Forschung darüber und über historische Aufführungspraxis hat in den letzten Jahrzehnten enorme Grundlagenarbeit geleistet - nicht zuletzt Savalls Arbeit!

Erhaben, von Stolz erfüllt, steigen diese uralten Lobpreisungen der Wunder der heiligen Jungfrau Maria in den Himmel unseres menschenverachtenden Jahrtausends, das von gänzlich anderen sozialen Konstrukten – man denke nur an den zur Zeit Alfons herrschenden Geist der troubadourischen Frauenverehrung – und damit auch Hörerlebnissen geprägt wird. Unter der Herrschaft des weisen Königs von Kastilien wurden die "Cantigas de Santa Maria" einst gesammelt, wahrscheinlich stammen manche Texte sogar von ihm. Diese über 400, in drei Codices zusammengefassten Gesänge stehen in einem spanisch-portugiesischen Mischdialekt, dem in der Provinz Galizien beheimateten "Galego". Sie berichten in tiefer Gläubigkeit von den Wunderwerken der Mutter Gottes. Auch der König war Nutznießer eines dieser Wunder, als er durch Auflegen des Buches der "Cantigas de Santa Maria" von schwerer Krankheit geheilt wurde. An seinem Hofe herrschten wissenschaftlicher Weitblick und religiöse Toleranz – arabische Mathematik und Heilkunst, jüdische Philosophie, antikes Wissen und christlicher Glaube durften ohne Vorurteile gepflegt werden. Auch war er der Begründer des ersten Musiklehrstuhls der Universitätsgeschichte in Salamanca. Doch man sollte auch die negativen Aspekte der Persönlichkeit König Alfonsos, wie seinen Frauenhass oder seinen Größenwahn, nicht vergessen.

Savall und seine Musiker nützen den Freiraum der Interpretation in einer Weise, die dem Hörer immer wieder neue Genüsse und Erkenntnisse beschert. Nicht nur, indem manche Gesänge zu reinen Instrumentalstücken mutieren, sondern auch, dass die Zusammensetzung der Musiker und ihrer Instrumente jedes Mal variiert wird. Vergleicht man seine CD-Einspielung mit den Konzerten in Seckau und nun auch Weizberg, hört man die gleiche, aber nie die selbe Musik. Dazu kommt, dass seine Musiker einander gut zuhören können und somit manchmal – aber leider zu selten – Freiraum für Improvisationen erwächst. Instrumentale Einleitungen, wie "Dum Pater familias, Rex universorum", die sonst gesungene Hymne der Jakobspilger, und gleitende instrumentale Übergänge zwischen den einzelnen Stücken lockerten die Programmfolge angenehm auf.

Diesmal feuerte der Meister der uralten afghanischen Rebab mit Vollholzkörper und Lederbespannung seine Musiker richtig an und diese Spiellaune setzte sich in den Sängern fort. Deren Zentrum bildete Montserrat Figueras' einzigarte Phrasierungs- und Verzierungskunst, von den Streichern mit Honigtönen unterlegt, vom silbrigen Psalter umflirrt. Bei den Herren gefiel mir neben der warmen Bass-Stimme Daniele Carnovichs und dem innig gläubigen Tenor von Lluís Vilamajó vor allem die luftig leichte Stimmführung des brasilianischen Countertenors Luiz Alves da Silva - er ist unter anderem auch Spezialist moderner Musik für Kontratenor. Sein Gesang erklang besonders reizvoll im Wechselspiel mit Figueras' zum Himmel schwebenden Jubelketten. Tina Aagaard setzte als blonder Engel mehr visuellen als sopranistischen Kontrast zu ihrer dunkelhaariger Perfektion. Dazu verstrahlte der Gesang Begoña Olavides eine kraftvolle, bühnenwirksame Persönlichkeit. Arianna Savalls herzlich fröhliche Ausstrahlung vergoldete sowohl ihren Gesang wie auch ihr Harfenspiel.

Im zweiten Teil des Programms erklangen hauptsächlich rund einhundert Jahre jüngere Stücke aus dem Llibre Vermell de Montserrat. Nach Santiago de Compostela war das Kloster Santa Maria de Montserrat der zweitwichtigste Wallfahrtsort Spaniens, bevor Napoleon es zerstörte. Die Pilger benahmen sich während der langen Nachtwachen in der Klosterkirche nicht immer pilgerlich-sittlich, sondern schlugen so manches frivole Tänzchen oder Liedchen an. Um diesem sittenlosen Treiben im Kirchenraum Einhalt zu gebieten, schufen die Mönche eine Liedersammlung, die volkstümliche Melodien – ein wenig Spaß durfte bleiben – mit erbaulichen Texten geistlichen Inhalts kombinierte.

Interessant die 'Doppelbesetzungen' dieses Konzertes: Zwei gambenartige Instrumente (Lyra oder Rebab, Vielle), zwei hackbrettartige (Santur, Psalter), zwei lautenartige (Oud, maurische Gitarre) und last but certainly not least erstmals – zumindest für mich – zwei Perkussionisten. Neben Pedro Estevan, dem tragenden Pfeiler von Savalls Ensemble, der junge David Mayoral, der sich neben dem langbärtigen Rhythmusmeister prächtig schlug. Die beiden Künstler lieferten nicht zuletzt mit dem Anschlagen von Glocken und Glöckchen ein Lehrstück raffinierter Klangfarbenmixtur. Welch ein Unterschied, ob man ein Glöckchen mit dem Hämmerchen oder mit dessen Stiel anschlägt! Ja, sogar seinen Klang auspendeln lässt. Driss el Maloumi musste seine Oud mehrfach nachstimmen, meisterlich wie ihm das trotz gleichzeitigen Spiels seiner Kollegen gelang. Dimitri Psonis brachte mit präzisester Rhythmik immer wieder belebenden Schwung in die oft tänzerischen Wirbel. Ebenfalls zum ersten Mal hörte ich Henri Tournier mit einer Reihe unterschiedlicher Querflöten. Durch meinen Sitzplatz unterhalb und nahe seiner Position allerdings bei sehr gedämpfter Deutlichkeit. Prächtig, wie er mit aufregend gebrochenen Klangfarben den Countertenor beklagte!

Fazit: Das Konzert in der barocken Wallfahrtskirche überzeugte mit viel mehr Intensität und Schwung, als Savalls heuriger Psalm-Auftritt bei den Minoriten in Graz. Die begeisterten Besucher durften mit 'Ave Maria' Singen an der Zugabe teilnehmen – innig verbunden im starken Band des Marienglaubens. Ein großartiger Erfolg, durch manch kleine Unstimmigkeiten zwischen Instrumenten und Sängern kaum getrübt, wurde vom Publikum begeistert akklamiert. Die Musiker dankten in herzerfrischender Gemeinsamkeit.

Hörtipps: Alfonso X el Sabio, Cantigas de Santa Maria, Astrée ES 9940, eine CD, die Savall 1993 aufgenommen hat - im Jahre 2000 neu erschienen. Voll des leuchtenden Glanzes, wie Sonnenlicht im Herbst. Als beeindruckende Alternative zu Savalls Interpretationen empfehle ich: Cantigas de Santa Maria, Johannette Zomer, Ensemble Antequera, CD Alpha 501.

»Don Quijote«, D. Schönherr, J. Savall, La Capella Reial de Catalunya, Hespérion XXI, Kasematten, 25. 7. 2006, 20 Uhr

Spanische Temperaturen des seit vielen Jahren heißesten Julis in Graz bescherten schon zu Mittag ein heftiges Gewitter, am Abend fächelten dann laue Lüfte den Besuchern der Kasematten Erquickung zu. Vor begrünten Ziegelflächen in satten Rotbraunschattierungen, die, vom Zahn der Zeit tief gegerbt, einem Spiegel von Don Quijotes geprügeltem Antlitz glichen, ereignete sich eine Sternstunde des Musizierens. Nur in Superlativen kann man diesmal von den Sängern und Instrumentalisten künden, die unter Jordi Savalls Leitung den überbordenden Reichtum der musikalischen Welt Spaniens im 16. Jahrhundert ausbreiteten.

Savall realisierte zum 400. Geburtstag des Autors die großartige Idee, den Texten Cervantes' vielfältige Romanzen, Tänze, Lieder und Instrumentalstücke aus der Zeit gegenüber zu stellen. Der Dichter flicht des öfteren damals populäre Lieder in seine Texte ein, manche hat er selbst in Noten gesetzt. Phantasie bei dieser kreativen Rekonstruktionsarbeit ist nicht nur erlaubt, sondern notwendig. So muss ein ganzes Lied aus nur vier Noten entwickelt, oder eine passende sephardische Melodie einem Text ohne Noten unterlegt werden. Jahrzehnte lange künstlerische und wissenschaftliche Arbeit Savalls legt ein solides Fundament für derartige Höhenflüge musikalischer Fantasie. René Clemencic hat einmal Ähnliches für Ariane Mnouchkines wunderbaren Molière Film erschaffen.

Im Zentrum dieser mitreißenden Aufführung stand Andrew Lawrence-Kings kraftvolles Harfenspiel. Technisch brillant, rhythmisch genial, melodisch süß - aber nie verkitscht - spann er fließende Übergänge, untermalte Schönherrs Rezitation, setzte solistische Spitzlichter oder arbeitete am Basso continuo. Mit hellwachem Blickkontakt zu Savall und den anderen Instrumentalisten zeigte er, was konzertieren im wahren Wortsinn bedeutet. Wunderbar, wie er das heisere Seufzen der Querflöte mit funkelndem Harfengold überschüttete. Pierre Hamon spielte neben der Quer- auch diverse Blockflöten und Dudelsack, er ist ein weiterer, hell strahlender Fixstern an Savalls Hespérion XXI Firmament. Auch im wildesten Tanztrubel bleibt sein Spiel klar und überzeugt trotz Lautstärke mit erlesener Klangschönheit.

Savall dirigierte konzentriert tongebend von der Gambe aus, das Konzert bereitete ihm offensichtlich helles Vergnügen. Ich wünschte mir, ihn öfter so entspannt – und sogar lächelnd – musizieren zu hören. Wie sagt er im Interview? Eine verrückte Welt, in der die Musiker zweihundert Mal im Jahr die hoch gespannten Erwartungen der Zuhörer erfüllen sollen. Keine leichte Aufgabe!

Mehrere Gamben, eine Violone, zwei Barockgitarren, ein Psalterium, zwei Harfen und Pedro Estebans Perkussion breiteten einen schillernden barocken Farbenteppich aus, auf dem die prachtvollen Frauen- und Männerstimmen der Capella Reial de Catalunya bei Romanzen von Luys del Milán, Francisco de Salinas, Diego Pisador und anonymen Komponisten tanzen durften.

Montserrat Figueras glänzte sängerisch und darstellerisch als Ausnahmeerscheinung: Schwebend, schwerelos, glockenrein, jauchzend, jubelnd und schluchzend sind Prädikate, die einem beim Zuhören in den Sinn kommen. Sie zupft an ihrer roten Stola, wiegt sich tänzerisch, tupft kurz mit der anderen Hand den Takt, lächelt, neigt lieblich das Haupt, greift ans Herz - ein über Jahrzehnte bühnenoptimiertes Gesamtkunstwerk.

Bei diesem Konzert in den riesigen Kasematten profitierten natürlich alle Mitwirkenden von der elektronischen Verstärkung, insbesondere die Sänger, die doch mit weit weniger Kraftaufwand als in einer Kirche singen durften. So konnte Arianna Savall im Duett mit ihrer Mutter ebenbürtig glänzen und, sich auf der Harfe begleitend, zu kraftvollem, wenn auch ein wenig spröden, Höhenflug erheben. Eine Diskussion, ob derartige Verstärkung dem Geiste Alter Musik entspricht, erübrigt sich, sonst dürfte man auch keine technisch bis zum Äußersten gestalteten (manipulierten?) CD-Aufnahmen hören.

Mit überwältigender Schönheit der Stimme, wie auch kunstvoller Gesangs- und Gestaltungstechnik begeisterte Lluís Vilamajó. Ein milde strahlender Tenor voll lyrischem Zauber, wie die gebrochenen Farben wärmender Herbstsonne, wenn nötig, auch von überzeugender Kraft. Prachtvoll im Zusammenklang mit Furio Zanasis energiegeladenem Bariton. So wenig dieser mich einst in Krieglach mit Bachkantaten überzeugen konnte, so großartig gestaltet er die spanische Musik seiner Heimat. Die fünf Herren – dazu noch Countertenor, Tenor und Bass – zelebrierten eine Harmonie des Zusammenklangs, die bei sakraler und weltlicher Musik gleichermaßen fasziniert.

Dietmar Schönherr rezitierte Cervantes unsterbliche Texte mit schlichter, altersweiser Stimmkunst, deren schön timbrierte Farbe an in Sherryfässern gelagerten Brandy erinnerte. Die kleinen Konzentrationsmängel des nun 80-jährigen Künstlers ließen erkennen, dass nicht nur die Besucher mit der 'pausenlosen' Konzertgestaltung zu kämpfen hatten.

Fazit: Für Graz und die Styriarte ein grandioses Fest spanischer Kultur, das in passendem Rahmen Weltliteratur und Weltklassemusik vereinte. Idee, Realisation und Ausführung bedeuten ein weiteres großes Werk Jordi Savalls, der im Kreise seiner Musikerfreunde Jubelstürme ernten durfte.

P.S. Als ziemlich störend empfand ich, dass der neben mir sitzende Kritiker der Kleinen Zeitung, Hansjörg Spies, beim Einschlafen immer wieder auf mich sank.

P.P.S. Ein kühles Bier im Garten des Schlossberg-Restaurants ließ anschließend den prachtvollen nächtlichen Blick auf die Stadt Graz genießen, die in dieser Höhe, knapp vor Mitternacht, sogar ein kühles Lüftchen spendierte.

P.P.P.S. Kann mir jemand erklären, warum die steirische Kleine Zeitung den Salzburger Festspielen, voll zweifelhaftem künstlerischen Wert, seitenlang aufgeblasene Berichterstattung widmet und hauseigenen, erstklassigen Styriarte Konzerten gerade eine magere Spalte?

Hörtipp: Cervantes, Don Quijote, Romances y Músicas, M. Figueras, Hesperion XXl, Jordi Savall, Alia Vox, AVSA9843. Zwei CD's und ein mehrsprachiges Buch mit allen Texten. Diese Besetzung glänzt mit Alfredo Bernardini, Lorenz Duftschmid und Gloria Banditelli.

»L'Allegro«, J. Zwicker, Capella Leopoldina, chor pro musica graz, Helmut-List-Halle, 27. 7. 2006, 20 Uhr

Bei diesem Konzert mit Händels Oratorium "L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato" handelte es sich quasi um ein Grazer Heimspiel, allerdings nicht der Champions League, sondern der nationalen Meisterschaft. Eine derartige Aufführung sollte der Fairness halber nicht mit Konzerten von Harnoncourt oder Savall in Relation gesetzt werden – doch immerhin stehen alle diese Aufführungen gemeinsam in einem Konzertzyklus mit großem Namen, der Styriarte. Dennoch ist festzuhalten, dass die Qualität des Instrumentalensembles durch heftige Leistungsschwankungen getrübt wurde. Wenn ein wichtiger Streicher im Solopart die Noten nicht trifft, braucht man sich nicht zu wundern, warum der Zusammenklang des Ensembles nur selten die Brillanz, Präzision und Durchsichtigkeit zu liefern vermochte, die Händels Genie entspräche. Ich empfehle allen Beteiligten eine Anhörung von Michi Gaiggs L’Orfeo Barockorchester! Aber immerhin schlugen sich die Solisten an Querflöte, Horn, Glockenspiel, Orgel und Trompeten recht wacker.

Der klangschöne und engagiert agierende Chor gefiel da schon weit besser. Was ihm, zum Beispiel im Vergleich zum Arnold Schönberg Chor, jedoch mangelt, sind die zwischentonreichen Farbschattierungen, sein Klangbild wirkt zu gleichförmig flächig. Auch die Dynamikabstufungen sollten verfeinert werden. Schön, wie die Sängerinnen und Sänger bei »These delights if thou canst give« Feuer entfachten oder bei »These pleasures, Melancholy, give« voll Wärme strahlten – ihr Herz war hundertprozentig dabei!

Von den vier Gesangssolisten konnte einzig und allein Johanna von der Deken völlig überzeugen. Mit erstklassiger dynamischer Bühnenpräsenz – man sieht sofort, wie eine solide Schauspielausbildung den sängerischen Impetus auch optisch verstärkt – spannte ihre schöne Sopranstimme einen Bogen von lyrischer Verinnerlichung bis zu kraftvoller Attacke. Johannes Chum sang zwar ein hübsches Lachkonzert bei »Haste thee, nymph, and bring with thee«, aber sein wohltönender Tenor vermochte des öfteren Händels musikalische Urkräfte nicht zu realisieren – den englischen König hätte er so kaum zum Mitlachen animiert. Gerlinde Sämann erntete bei »Orpheus self may heave his head« begeisterten Applaus, aber ihr fehlte doch über weite Strecken die Intensität der musikalischen Darstellung der Textinhalte. Markus Volperts Bariton vermittelte stimmlich und körperlich zu geringe emotionale Ausstrahlung, er wirkte beinahe als Fremdkörper in dieser Aufführung – immerhin eines der allerschönsten Werke Händels.

Der unter anderem in Basel an der Schola Cantorum Basiliensis bei Christophe Coin ausgebildete Dirigent/Cellist Jörg Zwicker wirkte so sehr ausgelastet mit kapellmeisterlichen Aufgaben – um seine Instrumentalschäfchen zu behüten –, dass darüber hinaus nur recht wenig Platz zum tieferen Ausloten der Partitur und vor allem von Miltons Texten blieb.

Der große Jubel der Fan-Gemeinde für "ihre" Lokalmatadore konnte nicht maskieren, dass der "Brennwert" des prächtigen Oratoriums bestenfalls auf mittlerer Flamme genutzt werden konnte.

Fazit:

Leider ist heuer die Auslastung der Styriarte Konzerte deutlich zurückgegangen – kein Wunder, denn sie standen oft in Konkurrenz mit der Fußballweltmeisterschaft. Auch die enorme Julihitze hat sicher dazu beigetragen. An dem Intendanten Mathis Huber und seinen engagierten Mitarbeitern liegt es sicher nicht, sie leisten hervorragende Arbeit ohne mit Streitlust und Profilierungsneurosen ihre Zeit zu vergeuden – einzigartig in dieser urösterreichischen Haxlbeißerlandschaft! Bedauerlich, aber die Berichterstattung in der Kleinen Zeitung steht in keiner Relation zur Wichtigkeit dieses größten steirischen musikalischen Kulturereignisses. Mediokrer Festspieltratsch aus Salzburg wird seitenlang wiedergekäut, erstklassige Styriarte Konzerte mit einer Spalte, oder sogar nur ein paar Zeilen, oft nur mäßig sachkundiger Kommentare abgespeist. Als seit Jahren begeisterter und kritischer Besucher der Styriarte wünschte ich mir neue, hochqualitative Ensembles als Bereicherung bewährter Qualität – an erster Stelle Michi Gaigg mit dem L'Orfeo Barockorchester. An kleineren Formationen den Oman Consort, Annegret Siedel, Rolf Lislevand oder Nikolaus Newerkla. Weiters Konzerte im Freien, oder vielleicht Musiker, die den Besuchern bereits beim Aufgang zu den Spielstätten aufspielen. Wie sehr hätte eine Harfe mit spanischen Melodien am Weg zu den Kasematten erfreut oder vielleicht einige Bläser während des stimmungsvollen Umtrunks im Hofe von Schloss Stainz. Ceterum censeo (ohne mir römische Senatorenwichtigkeit anmaßen zu wollen): An heißen sauerstoffarmen Sommerabenden – und nicht nur dann – haben Zuhörer und Künstler ein Recht auf eine ausreichende Pause während eines Konzertes.

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