Rattinger spielt Marais und neue CD's

Franz Szabo

Juni 2009


L'Univers de Marin Marais, Jakob David Rattinger, Spektral, SRL4-08026

Es ist nun schon einige Jahre her als wir nach einem Styriarte Konzert am Fuße des Grazer Schloßberges saßen und der junge Jakob über die Schwierigkeiten erzählte, einen passenden Gambenlehrer zu finden. Inzwischen hat er nicht nur bei Pierre Pitzl, Anthony Rooley, Paolo Pandolfo und Christophe Coin eine hochqualitative Ausbildung erfahren, sondern leitet selbst das Ensemble "Le Cœr Passioné" und unterrichtet internationale Kurse für Alte Musik. Seit 2006 fungiert er auch als Leiter des Barockmusikzyklus Graz.

Der sensible junge Gambist begeistert gleichermaßen mit kraftvoller Attacke, wenn nötig in höllischem Tempo, wie bei den Couplets de Folies, wie auch mit hochsensibler Emotionalität im Trauergesang des Tombeaus für Marais le Cadet – beide von Marin Marais – oder mit beschwingtem tänzerischen Elan in Forquerays Le Tronchin. Immer kultiviert in der Tongebung, erlesen im Klangcharakter der Bassgambe von Dominique Freguin, nach Plänen eines Originals von Michel Collichon gebaut, und von berückender technischer Qualität der Aufnahme. Nicht zu vergessen: Mit dem Lautenisten Rosario Conte und dem Cembalospieler Ralf Waldner hat Rattinger zwei ausgezeichnete Künstler zur Mitwirkung auf dieser CD gewonnen.

Fazit: Rattinger ist eine wunderschöne Solo-Debut-CD gelungen, eine Zierde für jede Sammlung Alter Musik und ganz im Speziellen der Gambenmusik.

Handel Arias, Padmore, English Concert, Manze, HMU 907422

Rolando Villazón, Handel, Gabrieli Players, Paul McCreesh, Deutsche Grammophon, 477 8056

50 von Padmore eingespielten, besser eingesungenen, CDs aus dem Bereich von Barockmusik über Bach und Mozart bis zum Liedgesang steht der mexikanische Weltstar gegenüber, Lieblingspartner von Anna Netrebko. Ein spannendes Match, das nur zugunsten des Hörers ausgehen kann. Nachdem ich mir überraschend schnell eine Meinung gebildet hatte, spielte ich die beiden CDs zum Vergleich meinem Sohn vor, der zwar hin und wieder Opern hört, dessen musikalischer Geschmack aber in weit moderneren Welten zu Hause ist, ohne ihn über die Interpreten aufzuklären. Sein Urteil entsprach so ziemlich meinem Eindruck: Villazon gewinnt den Vergleich auf allen Ebenen mit Schönheit der Stimme, Artikulation, Kraft, Emotion, Dynamik und Spannung, obwohl diese Arien praktisch seine erste Begegnung mit Händels grandiosen Opern. Ja, sogar die Gabrieli Players stehlen hier dem renommierten English Concert unter dem Stargeiger Andrew Manze glatt die Show. Ihre Interpretation leuchtet und verströmt die Kraft des Lebens – von Händel genial in Notenschrift transformiert.

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